Rostock 1847, 17. April - Statistisches. Volksschulen

Aus: Mecklenburgische Blätter. Erster Jahrgang. 1847
Autor: Schnelle, S. Dr., Erscheinungsjahr: 1847
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Volksschulen, Bildung, Lehrer
Nach dem Staatskalender von 1847 werden als einzelne Teile der Domänen unter Anderem auch 741 Stadt- und Landschulen angeführt. Nach einer anderen Notiz, in welcher jedoch 108 ländliche Industrieschulen aus dem Grunde nicht gerechnet sind, weil dieselben in der Tat keine besondere Schule bilden, sondern lediglich darin bestehen, dass die Frau des Schulmeisters die Schülerinnen ihres Mannes im Nähen und Stricken, auch wohl im Spinnen unterrichtet, - nach dieser Notiz haben wir 556 Dominal-Landschulen mit 606 Lehrern, indem 50 Landschulen 4 Klassen haben.

Sogenannte Bürgerschulen haben wir 43 mit 183 Lehrern, sodann noch an Armen-, Frei- und Waisenschulen in Güstrow, Rostock, Schwerin, Wismar 9 mit 42 Lehrern und Lehrerinnen.

Die Ritterschaft hat nach dem Staatskalender von 1847 im Ganzen 446 Landschulen und mutmaßlich so viele Lehrer.

Die höheren Bürgerschulen zu Rostock, Güstrow, Schwerin und Parchim, die in Rostock und Parchim mit dem Gymnasium vereinigt sind. können hier nicht zur Berechnung kommen, da sie offensichtlich mehr Real- als Volksschulen sind.

Sonach hätten wir
      556 Domanial-Volksschulen mit 606 Lehrern
        52 städtische Volksschulen mit 225 Lehrern
      446 ritterschaftl. Volksschulen mit 446 Lehrern
      im Ganzen 1045 Volksschulen mit 1277 Lehrern

Diese 1277 Volksschullehrer auf 522.000 Mecklenburger verteilt, kommt Einer auf ca. 409. Dies Verhältnis ist kein ganz zufriedenstellendes, denn rechnet man ungefähr den fünften Teil der Einwohner als schulfähige, die Volksschule besuchende Kinder, so kämen hiernach auf den einzelnen Lehrer ca. 80 Kinder. Im Einzelnen aber stellt sich, - (wenn man die Bewohner der Kämmereigüter zur Hälfte den Domanial-, zur Hälfte den ritterschaftlichen Schulen, dagegen die Klosterbewohner den Stadtschulen zuweist) das Verhältnis so: Im Domanium 606 Lehrer auf 207.067 Einwohner - macht einen auf 342; im Ritterschaftlichen 446 Lehrer auf 146.274 Einwohner - macht einen auf 328; in den Städten 225 Lehrer auf 168.802 Einwohner, macht einen auf 750. Lehrhilfe bei den städtischen Volksschulen tut indes immer am meisten Not, und trotz aller Opfer, die in neuer Zeit für die städtischen Schulen mit anerkennenswertem Eifer gebracht sind, darf sich das desfalsige Streben doch nicht zur Ruhe geben, wenn nicht alle bis dahin gebrachten Opfer vergeblich sein sollen. - Die Bevölkerung nimmt zu, und wenn die Volksschule nicht umsonst da sein soll, so müssen ausgediente oder unfähige Lehrer pensioniert, oder anderweitig platziert werden, - ein Umstand, den man früher nicht sehr berücksichtigte.

Dass übrigens für 1277 Volksschullehrer, unter denen etwa einige 50 Studierte, ein Volksschullehrerseminar nicht genügend sei, bedarf wohl kaum des Beweises. Hat doch Mecklenburg-Strelitz für seine 230 Volksschulen auch ein Seminar und haben doch im Jahre 1846 sogar einige Domanialschulen mit Seminarexpektanten besetzt werden müssen, da es an Seminaristen fehlte

Rostock, Giebelhäuser bei der Nikolaikirche

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Rostock, Universität

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Rostock, Kröpeliner Tor

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