Rostock 1807 - Nahrungsmittel - Geschirr und Aufbewahrung der Speisen

Aus: Bemerkungen aus dem Gebiete der Heilkunde und Anthropologie in Rostock. Bd 1. Medizinische und anthropologische Bemerkungen über Rostock und seine Bewohner
Autor: Nolde, Adolf Friedrich Dr. (1764-1813) Professor der Medizin, Erscheinungsjahr: 1807

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Hansestadt Rostock, Nahrungsmittel, Speisen, Zubereitung, Aufbewahrung, Geschirr, Küchengeräte, Reinlichkeit, Kupfergeschirr, Zinngeschirr, Gesundheits-Geschirr, Vergiftungen, Steingut, Glas, Porzellan,
Es scheint mir hier die schicklichste Gelegenheit zu sein, auch etwas über die Küchengeschirre zu sagen. Am häufigsten bedient man sich dazu des irdenen Töpferzeuges. Wer es haben kann, versorgt sich mit einem Vorrat von der Stettiner Ware, die man hier am Pfingstmarkt kauft. Sie ist indessen etwas teurer, und daher nehmen viele davon nur so viel, wie sie zu dem notwendigsten Bedürfnis brauchen, kaufen dagegen einen Teil, manchmal auch alles, von den Töpfern, die um dieselbe Zeit aus den kleinem Städten Mecklenburgs herkommen. Nur im Notfall behilft man sich mit dem, was von den hiesigen Töpfern fabriziert wird, weil es weniger dauerhaft ist. Aber zugleich steht es dem übrigen auch meistens in der Glasur nach, die sehr leicht abspringt und zu allen den traurigen Folgen Veranlassung geben könnte, die der Hofrat Ebell mit so lebhaften Farben geschildert hat.*) Indessen muss ich aufrichtig gestehen, dass ich bei aller Aufmerksamkeit diese Folgen noch nicht habe beobachten können, und selbst unsere Töpfer zeichnen sich ganz und gar nicht durch ein sieches, elendes Ansehen aus. Wer übrigens für Gesundheit und Leben besorgt ist, und es ausführen kann, dem rate ich doch, den bessern Sorten den verdienten Vorzug zu geben.

*) „Die Bleiglasur des irdenen Küchengeschirrs als eine unerkannte Hauptquelle vieler unserer Krankheiten – aus gerichtlichen Verhören und anderen Beweismitteln dargetan“, vom Hofrat G. A. Ebell. Hannover 1794.

Der kupfernen Geschirre bedient man sich zum Kochen jetzt nicht mehr so häufig, als sonst; wer sie aber dem irdenen Zeuge vorzieht und sich durch ihre Verzinnung vor unangenehmen Folgen hinlänglich zu sichern glaubt, dem muss ich besonders empfehlen, dass er auch für eine gute Verzinnung, und, für die so nötige Erneuerung derselben Sorge trage. Ich glaube wenigstens aus einer Vernachlässigung dieser Regeln, sehr unerwartete Zufälle ableiten zu können, die in einigen Fällen unmittelbar auf eine genossene Mahlzeit mehrere zugleich ohne eine andere Veranlassung trafen. Dass übrigens die hiesigen Verzinnungen nur schlecht sind und keinen, der sich durch sie vor Gefahren zu schützen sucht, eigentlich sicher stellen, leidet wohl keinen Zweifel. Am besten wäre es immer, wenn man sich der eisernen Geschirre mehr zum Kochen bediente, als es gewöhnlich geschieht. Sie geben zwar den Speisen eine etwas unangenehme Farbe, aber dafür gewähren sie auch der Gesundheit eine größere Sicherheit. — Zum Essen bedient man sich bei uns in den oberen Ständen jetzt am häufigsten der Schüsseln und Teller von englischem Steingut, welche man hier für einen billigen Preis haben kann. Auch manche Handwerker fangen schon an, von solchen Tellern zu speisen. Viele bleiben indessen noch bei ihrem, Geschirr von Zinn, und die Ärmeren behelfen sich mit irdenen Tellern und Schüsseln, so wie sie auch mit Löffeln von Holz oder Zinn vorlieb nehmen.

Noch verdient die Art und Weise, wie man hier die Speisen aufbewahrt, eine besondere Erwähnung. Man ist in diesem Stücke gewöhnlich zu unbesorgt, entweder weil man noch nichts von dem Schaden gehört hat, der hieraus leicht entstehen kann, oder weil man sich vielleicht einbildet, dass es nicht so viel zu bedeuten habe, als die Ärzte glauben. Es ist aber eine ausgemachte Sache, dass Speisen, wenn sie auch wirklich nicht in den neuerlich hin und wieder empfohlenen Gesundheits-Geschirren gekocht werden, doch so leicht von dem Geschirre selbst keine nachteilige Eigenschaft annehmen, wenn man sie nur früh genug wieder heraus nimmt. Je länger man sie hingegen darin stehen lässt, oder wenn man vollends irdene und kupferne Geschirre zum Aufbewahren mancher Speisen und Getränke gebraucht, auch wohl silberne oder gar zinnerne Löffel aus den Speisen und Flüssigkeiten nicht heraus nimmt, wenn man sie nicht mehr genießt; um desto mehr hat man für seine Gesundheit zu befürchten. Geschirre von Steingut, Glas und Porzellan empfehlen sich in dieser Hinsicht am meisten, und wer sie haben kann, der gebe ihnen daher auf jeden Fall den Vorzug vor allen andern. Bei einer besseren und sorgfältigeren Auswahl der Küchengeräte, der ich mit Recht das Reinhalten derselben als eine notwendige Bedingung zur Seite stelle, werden die hiesigen Einwohner gewiss noch einen größeren Vorteil aus der Einfachheit ihrer Gerichte ziehen, als wenn sie diese Regeln vernachlässigen.

Rostock - Giebelhäuser bei der Nicolaikirche

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Rostock - Markt, Marienkirche und Blutstraße

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Hansestadt Rostock - Stadtansicht

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Rostock, Lange Straße, Marienkirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts

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Rostock vor dem Steintor

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Rostocker Umland mit Bauernhof, 1968

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