Deutsche und Ukrainer

Aus: Osteuropäische Zukunft
Autor: Univ.-Prof. Dr. Raimund Friedrich Kaindl (Graz)., Erscheinungsjahr: 1917

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Russland, Russen, Ukraine, Ukrainer, Deutsche, Kolonisten, Bauern, Verräter, Epidemien, Wolga,
Die Beziehungen zwischen den Ruthenen oder „Ukrainern“ und den Deutschen sind überaus alt.
Über das Verhältnis der Slawen Südrusslands zu den Goten wollen wir nur mit einer kurzen Erinnerung hinweggehen. Man weiß, dass diese Slawen lange unter gotischer Herrschaft gestanden haben. Da die Goten hier das Reich Hermannrichs und den Einfall der Hunnen um anderthalb Jahrtausend überdauerten1), konnten sich diese Berührungen lange Zeit fortsetzen. Der Slawenapostel Konstantin, der auf der Krim in der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts weilte, berichtet, dass die Krimgoten ihre Kirchenbücher in „russischen“ Schriftzügen (rossicis litteris) geschrieben hätten. Wie man sieht, standen die Goten und Russen in Südrussland in inniger Verbindung.

Dabei wird man nicht vergessen, dass dieses altrussische Reich von Kijiw ein ruthenisches war und nichts mit den heutigen Großrussen (Moskowitern) zu schaffen hatte.2) Man weiß aber auch, dass dieses Reich seine Gründung und seinen Aufschwung den normannischen (germanischen) Waräger-Wikingern zu verdanken hatte. Die „russischen“ Schriftzeichen, von denen Konstantin spricht und in denen nach arabischen Berichten die Grabinschriften russischer Großen gemacht wurden, sind natürlich germanische Runen. Rurik, der Gründer der „russischen“ Dynastie, ist der germanische Hrurekr (9. Jahrh.). Seine Zeitgenossen Askold und Dir sind die Waräger Höskuldr und Dyri. Kiew hieß Kaenugardr. Von hier begannen die Waräger-Russen sofort ihre Züge nach Konstantinopel, das sie Mikligardr nannten.
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Inhaltsverzeichnis
      In der Masse ihrer slawischen Untertanen verloren die Germanen trotz mancher Nachschübe aus Skandinavien ihr Volkstum. Aber den einmal durch sie gewiesenen Weg folgten seither unausgesetzt Stammesgenossen. Schon im 10. Jahrhundert kam der Mönch Adalbert aus dem Kloster des heiligen Maximin in Trier auf Wunsch der russischen Fürstin Olga nach Russland, ohne freilich dort mit seiner Mission Erfolge erzielen zu können. Anfangs des 11. Jahrhunderts ging der deutsche

1) Darüber meine Schrift „Die Deutschen in Osteuropa“ (Leipzig“.)
2) Vgl. mein „Polen und die polnisch-ruthenische Frage“ (Leipzig).


      Mönch Brun von Querfurt zu gleichen Zwecken nach Russland. Er wurde vom Fürsten Wladimir freundlich aufgenommen und brachte zwischen ihm und den benachbarten Petschenegen unter sehr schwierigen Verhältnissen einen Frieden zustande. Diesen Spuren folgten bald auch deutsche Kaufleute. In der Stadt Nowgorod bestand zu mindestens seit etwa 1150 eine gotländische Handelsansiedlung um die Kirche des heiligen Olav, und 1184 erbauten deutsche Kaufleute (Hanseaten) hier ihre St. Peterkirche. Sie schlossen sich zum „Deutschen Hofe“ zusammen und hatten ihre eigenen Satzungen. Ebenso kamen damals schon deutsche, besonders Regensburger Kaufleute nach Kijiw, das der Stapelplatz im Süden war und mit Konstantinopel in Verbindung stand. Gegen das Ende des 12. Jahrhunderts werden unter den Regensburger Kaufleuten die „Ruzarii“, d. h. die Russlandfahrer, genannt und ihre von und nach Russland ziehenden Wagen erwähnt. Ja, wir erfahren aus einer Regensburger Aufzeichnung von etwa 1180, dass ein gewisser Hartwich, der in Chiebe (Kijiw) lebte, dem Kloster St. Emmeran in Regensburg 18 Pfund Silber gestiftet habe, und diese Schenkung sollte durch einige Regensburger Bürger, welche Hartwichs Schuldner waren, an das Kloster ausbezahlt werden mit der Bedingung, dass das Geld für die Armen und Pilger beim Asyl des heiligen Emmeran verwendet werde. Mit diesen Kaufleuten zogen die in Regensburg damals sehr beliebten Mönche, Schotten genannt, nach Kijiw, um den Gottesdienst für die Kolonie der Kaufleute abzuhalten. Gegen die Mitte des 12. Jahrhunderts wurde deswegen in Kijiw eine lateinische Kirche der heiligen Jungfrau samt Kloster dieser irländischen Benediktiner erbaut und von dem Schottenkloster in Wien besetzt, somit auch dem Abt dieses Klosters unterstellt. Die Ansiedlung der Schotten in Russland bestand bis zum Mongoleneinfall (1241). Dann aber verließen die Mönche Kijiw, da sich dort wahrscheinlich die ständige Kolonie der deutschen Kaufleute aufgelöst hat.

      Die deutschen Kaufleute brachten auf den russischen Markt vor allem Tuch, Wein und Bier, Salz, gesalzene Fische, Fleisch, allerlei Metalle, ferner Handschuhe, gefärbtes Garn, Leinwand, Schwefel, Nadeln, Rosenkränze, Pergament und Saffian. Auch Getreide wurde eingeführt, da die russische Landwirtschaft auf einer überaus niedrigen Kulturstufe stand. Dagegen wurden Wachs, Pelzwerk und Felle, Leder, Flachs, Hopfen und Bauholz, ferner über Kijiw asiatische Handelsartikel, z. B. Seide, nach dem Westen ausgeführt.

      In späteren Jahrhunderten des Mittelalters hat sich im südlichen Russland das Deutschtum nicht nennenswert ausgebreitet. Nach dem Rückgang der germanischen Elemente war das Kijiwer Reich zerfallen. Ohne die germanischen Gefolgschaften konnten die Fürsten ihre Herrschaft nicht aufrecht erhalten. Wilde Thronkämpfe begannen, Teilfürstentümer entstanden, für ruhige Besiedlung und Kulturarbeit war hier im äußersten Osten damals keine Gelegenheit vorhanden. Über eine Linie, die im Allgemeinen von Sniatyn am Dniester (Ostgalizien) nach Wilna im westlichen Litauen zieht, ist eine beachtenswerte deutsche Ansiedlung vom 14. bis zum 18. Jahrhundert nicht nachweisbar. Dagegen war das deutsche Recht in dieser Zeit, da diese Länder (Podolien, Brazlaw, Kijiw) zu Litauen-Polen gehörten, hier überall verbreitet. Später kam das deutsche Recht selbst in den Gebieten Tsckernitiw und Poltawa zur Anwendung. So konnte es geschehen, dass in diesen Gebieten z. B. Verurteilungen zu sibirischen Bergwerksarbeiten auf Grund des Sachsenspiegels erfolgten. Die letzten Spuren des Magdeburger Rechtes sind in Kijiw erst durch den Ukas vom 23. Dezember 1835 beseitigt worden. Ebenso drang das deutsche Zunftrecht, ebenfalls ohne bemerkbare deutsche Ansiedlung, weiter als das deutsche Stadtrecht, nämlich bis Charkiw. Beweis genug für seine Bedeutung und für seine Nützlichkeit. Erwähnenswert ist, dass im 17. Jahrhundert der polnische Woiwode Opalinski in der Ukraine (d. i. in den obengenannten Landschaften Podolien, Brazlaw, Kiew) Deutsche zur Stärkung der polnischen Herrschaft anzusiedeln riet; doch ist es damals nicht dazu gekommen. Dagegen hat bekanntlich Russland, sobald es die Erbschaft Polens hier antrat, sofort mit ausgedehnter deutscher Ansiedlung begonnen, so dass seit dem 18. Jahrhundert in Südrussland wieder viele Deutsche neben Ukrainern wohnen.1)
      Viel früher hat sich in dem ruthenischen Teilfürstentum Halisch, das nach dem Zerfalle des alten russischen Reiches entstanden war,2) und dessen Kern Ostgalizien und Wolhynien (nach seiner Hauptstadt Wladimir auch Lodomerien genannt) bildete, ein reiches deutsches Leben entwickelt. Beziehungen der Halischer Fürsten zu Deutschland lassen sich schon früh nachweisen.3) So spendete Roman, der im Jahre 1205 gestorben ist, dreißig Mark Silber der Kirche in Erfurt. Noch bemerkenswerter ist der Umstand, dass im Jahre 1235 eines deutschen Tores in der Fürstenstadt Halisch Erwähnung geschieht. Nach der wolhynischen Chronik hat Daniel von Halisch (1235—1264) Deutsche in seine Städte berufen. Diese Nachricht ist durchaus glaubhaft, denn es ist bekannt, daß zwischen Daniel und dem König Bela IV. von Ungarn mannigfaltige Beziehungen bestanden, und Daniels Sohn Leo sich mit Belas Tochter Konstanze vermählte. Gerade um diese Zeit sind aber auch von Bela in das von den Mongolen verwüstete Ungarn zahlreiche deutsche Kolonisten berufen und insbesondere auch in den Galizien benachbarten Teilen von Nordungarn angesiedelt worden. Daniel stand auch zu Boleslaw dem Schamhaften von Polen in nahen Beziehungen, wie auch dieser die Tochter Belas IV., Kunigunde, heimgeführt hatte. Warum sollte Daniel, um seinem von den Mongolen verwüsteten Lande aufzuhelfen, nicht zu demselben Mittel gegriffen haben, das die verwandten Fürsten Ungarns und Polens anwandten, um die Folgen des Mongolensturmes zu beseitigen?

1) Darüber näheres in „Die Deutschen in Osteuropa“.
2) Vgl. mein „Polen“
3) Mein Buch „Die Deutschen in den Karpathenländern“ I.


      Tatsächlich saßen schon gegen das Ende des 13. Jahrhunderts Deutsche in den Städten dieses Gebietes. Dies wird durch den Umstand bewiesen, dass die 1287 stattgefundene Erhebung des Mycislaw Danilowicz zum Herrscher im Fürstentum Wladimir (Lodomerien) nicht nur den Bojaren, sondern auch den „ruthenischen und deutschen Städtern“ kundgetan wurde. Gewiss darf man also annehmen, dass die Deutschen damals bereits eine gewisse Rolle spielten, und die Annahme, dass mit diesen Deutschen das deutsche Stadtrecht Eingang gefunden hatte, hat viel für sich. Es entspricht daher ganz den Verhältnissen, wenn schon zwischen 1300 und 1320 auch in Lemberg ein Vogt Berthold erscheint, der von einem der zwei in diesem Zeitraum regierenden Fürsten namens Leo für seine Verdienste Güter erhielt. Ihm folgte sein Sohn Mathias. Im Jahre 1320 wurden den Kaufleuten von Thorn Handelsfreiheiten in Galizien verliehen. Der letzte Halischer Fürst Georg Boleslaw Troidenowicz bestiftete im Jahre 1339 die Stadt Sanok „mit deutschem Recht, das ist mit Magdeburger Recht“ und verlieh die Vogtei seinem treuen Diener Bartko von Sandomir, indem er ihm das Recht gab, im Gebiete der Stadt jedermann, „er möge ein Deutscher, ein Pole, ein Ungar oder ein Ruthene sein“, zu richten. Unter den Zeugen der in Wladimir ausgestellten Urkunde für Sanok befinden sich mindestens drei Deutsche: Adalbert, Vogt (Stadtrichter) von „Bahna“; Bartholomäus, Vogt von „Varsow‘‘; endlich Johann Bruno. Es gab also in diesen Gebieten auch sonst schon Vögte, und somit war hier deutsches Recht bereits ziemlich verbreitet. Wie sehr aber Georg deutsches Wesen begünstigt haben mag, geht aus dem Umstande hervor, dass seine Vergiftung von einzelnen Chronisten unter anderem damit begründet wird, dass er fremde Nationen ins Land geführt hat: Böhmen und Alamanen. Nach der Ausbreitung der polnischen Herrschaft über dieses Gebiet (um 1350) machte die Verleihung von deutschem Recht (zunächst nur an katholische Deutsche und Polen, dann auch an die griechischen Ukrainer) und die deutsche Kolonisation stetige Fortschritte. Erwähnt seien: Jaroslaw (1375), Belz (1377), Przemysl (1389), Sambor (1390), Drohobycz (1422), Stryj (1431), Jaworow (1450), Kolomea (vor 1370) und Sniatyn (1448). In diesem Gebiet sind auch Güter nach deutschem Lehnrecht verliehen worden. Überall findet man hier in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters Deutsche; einzelne Orte nehmen zeitweilig einen geradezu vorwiegend deutschen Charakter an, so vor allem Lemberg.1)

1) Vgl. darüber meine „Geschichte der Deutschen in den Karpathenländern“ 1; „Beiträge zur Geschichte des deutschen Rechtes in Galizien“; „Die Ansiedlung der Deutschen in den Karpathenländern“; endlich: „Die Deutschen in Galizien und der Bukowina“.

Unstreitig hat die Verbreitung des deutschen Rechtes und der deutschen Kolonisation auf die Ukrainer einen überaus günstigen Einfluss geübt. Ihre alten Fürsten hätten ohne diese günstigen Folgen die Deutschen nicht gefördert. Durch die Verleihung des deutschen Rechtes, das die Polen freilich eine Zeitlang den Ukrainern vorenthielten, sind vom Drucke des polnischen Rechtes und der polnischen Grundherren freie Gemeinden geschaffen worden. Leider währte diese Entwicklung nicht lange; sie ist von den polnischen Großen aus selbstsüchtigen Gründen wieder rückgängig gemacht worden, um die Bürger und Bauern knechten zu können. Bleibend blieb aber der Einfluss, von dem alle Zweige der geistigen und materiellen Kultur beeinflusst wurden. Durch diesen deutschen Einfluss wurde die erstarrte byzantinische Kultur der Ukrainer unstreitig wohltätig belebt. Unzählige Ausdrücke, die mit dem Gegenstand aus dem Deutschen übernommen wurden, legen Zeugnis davon ab. Schon aus der folgenden knappen Zusammenstellung wird man erkennen, wie groß der deutsche Einfluss auf die Entwicklung des Hauses, der Geräte, der Kleider, des Handwerks, des öffentlichen Lebens waren: mur (Maurer), mular (Maurer), dach (Dach), ganok (Hausgang), szopa, (Schupfen), szeba (Scheibe), kahla (Kachel, Ofenrohr), komnata (Kemnate, heizbare Stube), cehla (Ziegel), klamka (Türklinke), futryna (Fensterfutter), ran?ka (Fensterrahmen), stiu (Gestell, Tisch), stilczyk (Stühlchen), listwa (Leiste), szoflada (Schublade), magliunycia (Mangelholz, zum Rollen der Wäsche), spyrnal (Sperrnagel beim Wagen), stelwaha (Stellwage), ortszek (Ortscheit), buksza (Radbüchse), hufnal (Hufnageh, zugli (Zügel), fartuch (Vortuch der Frauen), gugla (Kapuzenmantel), manta (Mantel), taszka (Ledertasche), meister (Meister), warstat (Werkstatt, Werkbank), hebel (Hobel), drot (Draht), cwyk (Zwecken, Nagel), konouka (Kanne), farka (Faß), boczka (Bottich), drukarnia (Buchdruckerei). Ebenso beachte man Ausdrücke wie burmistrz (Bürgermeister), radca (Ratsherr), ratusz (Rathaus), wjit (Vogt), jarmarok (Jahrmarkt) udgl. Ebenso ist das geistige Leben der Ukrainer von den deutschen Schulen und den in Galizien unter hervorragender Anteilnahme deutscher Kräfte erblühten Humanismus beeinflusst worden. Ohne diese Einwirkung wären die älteren wissenschaftlichen Institute der Ukrainer (Stauropigische Brüderschaft der Ukrainer in Lemberg 1586, in Kijiw 1569 u. a.) nicht denkbar.
Nach der Vernichtung des deutschen Rechtes und des darauf beruhenden freien Bürger- und Bauernstandes durch den polnischen Adel, begann die Vergewaltigung aller nicht privilegierten Bewohner Polens. Die Ukrainer litten wegen ihrer Andersgläubigkeit besonders hart. Kam es doch so weit, dass selbst ihre Kirchen von den polnischen Grundbesitzern an Juden verpachtet wurden, die sich für das Öffnen zu gottesdienstlichen Handlungen besonders zahlen ließen. Die sonstigen Missbräuche zu schildern, ist hier nicht der Ort.1) Polen ist infolge dieser Politik zusammengebrochen, und für die Masse seiner Bewohner bedeutete die preußische und österreichische Herrschaft einen Segen. In Galizien brachte die deutschösterreichische Verwaltung auch den Ukrainern endlich ein menschenwürdiges Dasein.

1) Einiges darüber in „Polen“.

      Die absolutistische österreichische (damals deutsche) Regierung förderte die Ukrainer als Gegengewicht gegen die stets unbotmäßigen Polen, ihre alten Bedränger. Diese Förderung des Bauernvolkes der Ukrainer ergab sich übrigens schon aus der von der österreichischen Regierung allgemein angestrebten Verbesserung der Lage der Bauern in Galizien, die für die polnischen ebenso drückend war, wie für die ukrainischen. Deshalb haben auch die polnischen Bauern zur Regierung gehalten. 1846 sind sie gegen den aufständischen Adel, der sie zum Mittun gegen Österreich verleiten wollte, hergefallen. Die Ukrainer mussten selbstverständlich für diese österreichische Arbeit noch mehr Anerkennung zollen. Man begann von den „Tirolern des Ostens“ zu sprechen. Die Polen machten dafür der österreichischen Regierung den Vorwurf. die Ukrainer erst entdeckt zu haben, denn bis dahin gelten sie als eine Art griechisch-katholischer Pole Auch zu den deutschen Mitbewohnern des Landes gestaltete sich im allgemeinen das Verhältnis der Ukrainer freundlich, besonders da der Druck der Polen seit 1868 besonders hart auf beiden Völkern lastete. Es geschah oft, dass die Ukrainer gegen die Polen eine stärkere Berücksichtigung des Deutschen in den Schulen wünschten. Als der Bund der galizischen Deutschen 1907 begründet wurde, begrüßten ihn die ukrainischen Zeitungen sympathisch. Im Sommer 1910 forderten die Ukrainer einen deutschen Beamten für den Statthalterposten in Galizien, damit er endlich Ordnung schaffe. Auch bei Wahlen wurde gemeinsames Vorgehen vereinbart. Von einer Spannung zwischen deutschen und ukrainischen Bauern und Bürgern war kaum etwas zu bemerken.

      Ähnlich stand das Verhältnis in der Bukowina. Auch hier verdankten die Ukrainer sehr viel der österreichischen Regierung und ihren meist deutschen Beamten. Auch hier wurden sie durch die deutschen Mitbewohner gefördert und standen zu diesen in guten Beziehungen. Niemand wird leugnen, dass die Bukowiner Ukrainer durch deutschen Einfluss und deutsche Schulen überaus gefördert wurden. Es kam daher auch noch vor etwa zwölf Jahren vor, dass auch Bukowiner Ukrainer stärkere Berücksichtigung der deutschen Sprache in den Schulen forderten. Ihr bedeutendster Dichter Fedkowicz ist vom Bukowiner deutschen Schriftsteller Neubauer angeregt worden und hat auch in deutscher Sprache gedichtet. Erst mit deutscher Hilfe sind die Ukrainer zum politischen Einfluss in der Bukowina gelangt; vordem sind sie von den Rumänen vollständig an die Wand gedrückt worden. Auch durch die wissenschaftliche Forschung von deutscher Seite ist den Ukrainern zur Anerkennung ihrer Rechte geholfen worden.
Leider ist diese vernünftige Politik, die Ukrainer und Deutsche in der Bukowina und in Galizien zur engen Waffenbrüderschaft vereinigt hätte, in der letzten Zeit durchbrochen worden. In Galizien sind die Forderungen der Deutschen, bei der neuen Landtagswahlordnung Mandate zu erhalten, von den Ukrainern nicht unterstützt worden. In der Bukowina hielten es die ukrainischen Führer der letzten Jahre für klüger, mit ihren früheren Gegnern (Rumänen und Polen) und mit den Juden gegen die Deutschen Abmachungen zu schließen, die jedoch nur zu vorübergehenden Augenblickserfolgen führen konnten. Nun begann der Kampf gegen deutsche Verkehrs- und Schulsprache; die Hauptstadt Czernowitz wurde wegen ihres deutschen Charakters als ein „Fremdkörper in unserem Fleische“ bezeichnet; das einzige ständige Theater des Landes sollte wegen seines deutschen Charakters nicht mehr unterstützt werden udgl. m. Und das geschah alles in einer Zeit, wo die ins Große gerichteten politischen und kulturellen Bestrebungen der „Ukrainer“ (Befreiung der Ukraine, Sonderstellung Ostgaliziens) von den Deutschen gefördert wurden und nur durch uns unterstützt werden konnten! Schon daraus ersieht man, dass die Ukrainer nicht über durchaus weitblickende Führer verfügten. Übrigens legen davon auch die kläglichen wirtschaftlichen Misserfolge der Bukowiner wirtschaftlichen Verbände der Ukrainer und der Niedergang des ukrainischen Bauernstandes Zeugnis ab. Die Ukrainer werden daher guttun, eine. Überprüfung der in den letzten Jahren eingeschlagenen Politik einzelner ihrer Führer gegen die Deutschen vorzunehmen. Der innere Widerspruch zwischen der staatlichen Politik der Ukrainer, die sie mit deutscher Hilfe erreichen wollen, und dem deutschfeindlichen Vorgehen gegen die unter ihnen wohnenden Deutschen muss aufhören. Nur so kann sich jenes Zusammenarbeiten entwickeln, das für die Zukunft Osteuropas von höchster Bedeutung werden könnte.

Kiew 001 Sophienkathedrale , Kuppeln

Kiew 001 Sophienkathedrale , Kuppeln

Kiew 002 Sophienkathedrale, Ansicht vom Glockenturm nach S-O.

Kiew 002 Sophienkathedrale, Ansicht vom Glockenturm nach S-O.

Kiew 003 Sophienkathedrale , Nördliche Seite

Kiew 003 Sophienkathedrale , Nördliche Seite

In Kiew erschien die erste Proklamation des Bundesrates

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Tatar auf der Halbinsel Krim

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Odessa

Odessa

Die Andreaskirche in Kiew

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