Auftreten der Cholera in Mecklenburg von 1832-1858

Aus: Die Choleraepidemie des Jahres 1859 im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
Autor: Ackermann, Hans Konrad Karl Theodor (1825-1896) deutscher Pathologe, Professor an der Rostocker Universität, Erscheinungsjahr: 1860

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Rostock, Medizingeschichte, Landesgeschichte, Sitten- und Sozialgeschichte, Stadtgeschichte, epidemische Ausbreitung, Seuchen, Epidemie
Nachdem die Cholera auf ihrem ersten großen Epidemienzuge die Grenzen Deutschlands im Jahre 1831 überschritten hatte, trat sie im folgenden Jahr zum ersten Mal in Mecklenburg auf. Sie verbreitete sich hier zuerst im südwestlichen Teil des Landes (Hagenow) und kam in größerer Ausdehnung vor in den Präposituren Boizenburg, Bützow, Doberan, Güstrow, Hagenow, Lüssow, Ribnitz, Rostock, Schwaan, Sternberg und Wismar. Dennoch betrug die Zahl der Verstorbenen nach einer freilich nicht ganz zuverlässigen Angabe nur 932 Personen. Sechzehn Jahre vergingen bis ein wiederholter Ausbruch der Krankheit eintrat. Im Jahr 1848 wurde nämlich die Stadt Boizenburg und ihre Umgegend von Neuem hart von der Cholera mitgenommen und sporadische Fälle sollen damals auch in den Präposituren Hagenow, Neukahlen, Malchow, Mecklenburg, Schwaan, Grabow und Sternberg vorgekommen sein. Indes scheint die Gesamtzahl der Todesfälle kaum 100 betragen zu haben und davon fallen etwa 74 auf Boizenburg und dessen Umgegend.

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Etwas heftiger trat die Krankheit im folgenden Jahr und zwar wieder in den südlichen Gegenden Mecklenburgs auf. Grabow und Umgegend haben aus diesem Jahr 101 Cholerafälle aufzuweisen. Die übrigen tödlichen Erkrankungen, etwa 40 an der Zahl, verteilen sich auf Schwerin und die Präposituren Buckow und Stavenhagen. Eine sehr schwere Epidemie entwickelte sich aber im nächsten Jahr, 1850. Dieselbe reichte bis in den Januar des folgenden Jahres hinein und die Gesamtzahl der in ihr Verstorbenen betrug 2794. Davon starben bis zum 1. Dezember in 28 Städten mit Einschluss der dahin eingepfarrten ländlichen Ortschaften 2332, nämlich in Boizenburg 78, Brüel 43, Neubukow 107, Bützow 80, Dömitz 8, Gadebusch 5, Gnoien 23, Grabow 21, Güstrow 120, Malchin 146, Marlow 70, Lübz 11, Neustadt 52, Parchim 3, Plau 132, Rehna 1, Ribnitz 4, Rostock 631, Schwaan 15, Schwerin 396, Stavenhagen 6, Sternberg 37, Sülze 138, Tessin 76, Teterow 20, Waren 1, Wismar 102, Wittenburg 6; ferner in den Flecken Dargun 2, Dassow 39, Ludwigslust 1, Warnemünde 4; in ländlichen Gemeinden 350, darunter im Dorfe Gielow 50, auf der Insel Pitt 16, die übrigen zerstreut im ganzen Lande. Im Dezember desselben und im Januar des folgenden Jahres kamen noch 56 Todesfälle hinzu, nämlich in den Präposituren Buckow, Krakow, Ludwigslust, Lüssow, Marlow, Schwaan, Schwerin, Stavenhagen, Sternberg, Teterow und Wittenburg. Verschont blieben die Präposituren Crivitz, Goldberg, Grevesmühlen, Malchow, Penzlin und Röbel.

Nach dieser heftigen Epidemie kamen bis zum Jahr 1859 nur beschränkte Ausbreitungen der Krankheit im Lande vor. Das Jahr 1852 scheint gänzlich frei geblieben zu sein, im folgenden Jahr dagegen zeigten sich in vielen Orten des Landes sporadische Fälle, während eine epidemische Ausbreitung nirgends beobachtet wurde. 1854 nahm die Krankheit in der Präpositur Teterow eine etwas ausgedehntere Verbreitung an und es zeigten sich außerdem noch einzelne Fälle in den Präposituren Marlow, Ribnitz, Schwerin und Wismar, Eine ebenfalls nur mäßige Ausbreitung zeigte die Krankheit im Jahr 1855, wo in den Präposituren Grabow und Schwerin eine etwas größere, in den Präposituren Ludwigslust, Lüssow und Schwaan eine nur ganz geringe Anzahl von Personen verstarb. In den drei folgenden Jahren blieb Mecklenburg von der Cholera vollständig frei, bis endlich im Jahr 1859 eine neue Epidemie zum Ausbruch kam, so ausgebreitet und mörderisch, wie bisher im Lande noch nicht ihres Gleichen gewesen war. Sie dauerte vom 5. Juli bis zum 6. November, erreichte am 30. August mit 86 Todesfällen ihr Maximum und forderte im ganzen Lande 4.237 Opfer. — Ein Versuch zur genaueren Beschreibung ihrer Entwicklung und Verbreitung, ihres Ganges und ihrer Hilfsursachen bildet den Gegenstand der vorliegenden Arbeit.

Ackermann, Hans Konrad Karl Theodor (1825-1896) deutscher Pathologe

Ackermann, Hans Konrad Karl Theodor (1825-1896) deutscher Pathologe